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Gefriergetrocknete Früchte haben in Overnight Oats zwei Jobs. Die eine Hälfte rührst du abends unter, sie zieht über Nacht Flüssigkeit und wird weich, ungefähr wie halbgetrocknete Mango. Die andere Hälfte kommt erst morgens obendrauf und bleibt knusprig. So hast du im selben Glas zwei Texturen und musst nur noch löffeln.
Mango bringt die Süsse, Ananas die Säure, und mit Kokosraspeln schmeckt das Ganze ein bisschen nach Ferien, auch wenn draussen Oktober ist 🥭

Zeit: 5 Minuten am Abend, mindestens 6 Stunden im Kühlschrank
Portionen: 2 Gläser


Tipp: Du kannst gleich für zwei Tage vorbereiten. Die Oats halten sich im Glas bis zu 2 Tage im Kühlschrank, das Topping packst du separat in ein kleines Döschen. Sonst wird die Frucht weich.
Die Idee ist älter als der Trend. Der Zürcher Arzt Maximilian Bircher-Benner hat um 1900 ein Müesli entwickelt, bei dem Haferflocken eingeweicht und mit geriebenem Apfel und Nüssen gegessen werden. Es war für seine Patienten gedacht und steht heute in der Schweiz auf fast jedem Frühstückstisch. Overnight Oats sind die moderne Verwandte davon: weniger Apfel, mehr Joghurt, und jeder baut sich sein Glas selbst. In den 2010er Jahren wurden sie über Social Media zum Frühstück, das alle im Kühlschrank stehen haben.
Im Rezept stehen 80 g Haferflocken, 200 g Joghurt und 150 ml Milch. Das ergibt eine Masse, die sich löffeln lässt und nicht läuft, auch weil Chiasamen und Früchte Flüssigkeit aufnehmen. Magst du es flüssiger, gibst du 50 ml Milch mehr dazu. Soll es fester werden, lässt du die Milch etwas weg oder rührst einen Löffel Haferflocken unter.
Die Art der Flocken macht einen Unterschied. Zarte Haferflocken sind schon nach 4 bis 6 Stunden weich und werden cremig. Kernige Flocken brauchen eher 8 bis 12 Stunden, bleiben dafür bissfester. Feine Schmelzflocken werden schnell matschig und sind für dieses Rezept zu fein. Beim Einweichen quellen die Flocken, und die löslichen Ballaststoffe im Hafer, vor allem Beta-Glucan, machen die Masse sämig. Nach einer Nacht schmecken die Oats milder und runder als frisch angerührt.
Beim Süssen lohnt es sich, erst einmal wenig zu nehmen. Die Mango bringt schon Süsse mit, der Joghurt eine leichte Säure. Probier die Oats am Morgen und gib erst dann 1 TL Ahornsirup oder eine zerdrückte reife Banane dazu, wenn dir etwas fehlt. Eine Prise Salz im Teig rundet den Geschmack ab, ohne dass man sie schmeckt.
Gefriergetrocknete Früchte haben fast ihr ganzes Wasser verloren und saugen deshalb Flüssigkeit auf wie ein Schwamm. Im Glas hilft dir das gleich zweimal: Es gibt keine frische Frucht, die nach zwei Tagen matschig wird, und die Oats werden von allein etwas fester. Grob gerechnet stecken in 20 g gefriergetrockneter Mango gut 100 g frische Frucht, also etwa eine halbe Mango. Bei der Ananas sind es rund 130 g.
Die Mango wird in Südasien seit mehreren tausend Jahren angebaut. Die Ananas kommt ursprünglich aus Südamerika, Kolumbus soll sie Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa gebracht haben. Beide gibt es bei uns im Shop: gefriergetrocknete Mango und gefriergetrocknete Ananas.
Die Früchte werden zuerst eingefroren und dann im Vakuum sanft erwärmt. Das Eis geht dabei direkt in Dampf über, ohne vorher zu schmelzen, was Sublimation heisst. Zellstruktur, Farbe und ein grosser Teil des Aromas bleiben so erhalten, am Ende ist nur noch ein kleiner Rest Wasser übrig. Deshalb sind die Stücke leicht, knusprig und lange haltbar.
Daraus folgt eine praktische Regel: Gefriergetrocknete Früchte ziehen Feuchtigkeit aus der Luft. Liegen sie offen im Schrank, werden sie nach ein paar Tagen zäh. Verschliesse die Tüte nach dem Öffnen gut oder fülle den Rest in ein Glas mit Deckel. Dann ist das Topping auch am Ende der Woche noch knusprig.
Wer morgens lange satt bleiben will, ersetzt den Joghurt durch Skyr oder Magerquark. Beides hat mehr Eiweiss und macht die Oats fester, dann kommen 50 ml Milch mehr ins Glas. Als Topping passen Mandeln oder Walnüsse, die du vorher ohne Fett in der Pfanne röstest, bis sie duften. Kürbiskerne und Kokoschips gehen auch, und ein Löffel Nussmus obendrauf macht das Glas cremiger.
Wenn morgens keine Zeit bleibt, bereitest du zwei Gläser am Sonntagabend vor und zwei am Dienstagabend. Länger als 2 Tage sollten die Oats nicht stehen, vor allem mit Milchprodukten. Gläser mit 300 bis 350 ml Inhalt sind gross genug, dass oben noch Platz fürs Topping bleibt. Für unterwegs packst du die Früchte in ein separates Döschen und streust sie erst im Büro drauf.
Vegan wird das Rezept mit Soja-, Kokos- oder Mandeljoghurt, Haferdrink und Ahornsirup statt Honig. Haferflocken sind von Natur aus glutenfrei, werden aber oft zusammen mit Weizen verarbeitet. Wer Zöliakie hat, nimmt deshalb Flocken, die ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnet sind. Chiasamen nehmen ein Vielfaches ihres Gewichts an Flüssigkeit auf und machen die Oats cremiger. Magst du sie nicht, ersetzt du sie durch 1 EL mehr Haferflocken.